Politik

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Arbeitslosengeld

Geschrieben unter Schmerzen, weil mittlerweile zwei diagnostizierte Bandscheibenvorfälle den Arm lähmen:

Was mich mal interessieren würde: Wie viel Geld hat ein 57-Jähriger während seines Berufslebens in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, ehe er von seinem Arbeitgeber in die Altersarbeitslosigkeit gedrängt wird - und damit nach einem Jahr ins Hartz-IV-Elend?

Und, im Gegenzug dazu: Wie viel Geld hat Arbeits- und Sozialminister und Vizekanzler Franz Müntefering in seinem Politikerleben in diese Arbeitslosenversicherung einbezahlt?

Dem hinterherzuspüren, das wäre doch mal eine lohnende Aufgabe für den Journalismus, oder?

Mittwoch, 5. September 2007

Zu positiv

Lobbyist zu sein ist ein übler Job. Gut dotiert, aber übel. Der Lobbyist darf sich nie zufrieden geben mit dem politischen Apparat, unersättlich muss er neue Forderungen aufstellen und damit "Gehör finden". Und weil er immer quengelt, muss er als Gegenleistung die Politicos in teure Restaurants ausführen und sich überfressen.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass sich für den wirlich aufreibenden Job des BDI-Hauptgeschäftsführers nun jemand gefunden hat und diese Bürde auf sich nimmt. Es ist Werner Schnappauf, unser bayerischer Gammelfleischminister, der sich in vielen Fällen durch sein exzellentes Krisenmanagement auszeichnen konnte.

Schnappauf sei auserkoren worden, so BDI-Präsident Thumann, weil er mit Unternehmen beim Thema Umweltschutz eine „verlässliche und vernünftige Zusammenarbeit“ pflege.

Dies zeigt, zweite gute Nachricht, dass auch die Verbandsgranden vom BDI endlich einmal Humor zeigen.

Und, dritte gute Nachricht: Die humoristische Komponente bleibt uns im Freistaat erhalten. Kein anderer als Markus Söder, ebenfalls profilierter Krisenmanager, will die Nachfolge Schnappaufs antreten. Seine stets wunderbar durchdachten öffentlichen Äußerungen dürfen wir also weiterhin hören.

Ach wie schön!

Montag, 7. Mai 2007

Bundeshorst knickt ein

Der Bundeshorst knickt ein. Ausgerechnet vor Markus Söder. Das Generalsekret der CSU, auch bekannt als Wurmfortsatz in Stoibers Darm, hatte gestern noch medial verkünden dürfen, eine Begnadigung Klars würde die Wiederwahl unseres Bundespräsidentenversuchs "mit einer schweren Hypothek" belasten.

Zum Verständnis: Klar bittet einen ehemaligen geschäftsführenden Direktor und Vorsitzenden des Exekutivdirektoriums des Internationalen Währungsfonds, also seinen früheren politischen Erzfeind, um Gnade. Klar bittet also um einen Willkürakt des Staates. Mehr Anerkennung für und Unterordnung unter die Staatsmacht ist nicht möglich. Und was macht Christ Köhler? In guter christlicher Tradition verweigert er die Begnadigung des geläuterten Ex-Terroristen.

Bravo, Bundeshorst, bravo. Derweil darf der vielfache Mörder Christian Klar weiter hinter Gittern verfaulen. Zwar sitzt Klar noch nicht ganz so lange ein wie der vielfache Schreibtischmörder Rudolf Hess, aber immerhin bereits länger als der vielfache Schreibtischmörder Albert Speer. Wenn das mal keine Verhältnismäßigkeit ist.

Montag, 30. April 2007

Gewerkschaftsheuchler. Journalistenheuchler

Heute in der Post: Post für meinen Kollegen vom Bayerischen Journalistenverband. Aber nicht zugestellt von der Deutschen Post, sondern, für ein paar Cent weniger, von einer anderen Zustellorganisation.

Eine Gewerkschaft also nimmt die Dienste von Briefdiensten in Anspruch, deren Niedrigstlöhner sich für fünf Euro die Stunde buchstäblich abstrampeln dürfen und dafür, dass sie in diesem unseren Lande überleben können, zusätzliches Arbeitslosengeld II beziehen müssen, sodass die Jobs mit Staatsknete subventioniert werden.

Morgen, zum 1. Mai, darf ich dafür wieder die Feiertagsreden der Gewerkschaftsheuchler hören, ihr Geschwalle von sozialer Gerechtigkeit.

An Heuchelei nicht zu überbieten ist das.

Und noch eins obendrauf: Die Dumpinglohnbriefdienste sind vielfach Ableger der deutschen Zeitungsverlage. Auf den Redaktionsseiten greinen die Journalistinnen und Journalisten, also die Herrschaften mit dem hehren Aufklärungsauftrag, gerne über Dumpinglöhne. Aber nur allzu gerne verschweigen die Damen und Herren Berufsaufklärer, dass niemand anderer als ihr Arbeitgeber in der Schwestergesellschaft "Zustelldienst" die Billigstlöhner ausbeutet und auf jeden Sozialstandard scheißt, wenn es denn der Gewinnmaximierung dient.

Diese Doppelmoral kotzt mich an.

Dienstag, 1. August 2006

Doppelbelastung

Zehn Jahre ist es gut gegangen. Zehn Jahre lang hat Reinhard Göhner, die Bürde des Hauptgeschäftsführers der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) getragen und war zugleich Mitglied des Bundestags. Nun will er nicht mehr antreten - für den Bundestag natürlich. Den hochdotierten Funktonärsjob wird er behalten. Damit jeder weiß. wo sein Herz schlägt. Quatsch. Damit jeder weiß, was ihm näher ist.

Es ist erklärtermaßen nicht die öffentliche Kritik, die dem Diener zweier Herren zusetzt. Es ist die Doppelbelastung, die dem armen Manne jetzt auf einmal zu schaffen macht. Nachdem es, wie gesagt, zehn Jahre lang gut gegangen ist.

Glaubwürdig ist das. So glaubwürdig wie vieles andere, was die wirtschaftsliberalen Verbandsfunktionäre den ganzen Tag an Forderungen in Positionspapiere gießen und den Parlamentariern einzuflüstern versuchen.

Deshalb freut es mich sehr zu sehen, wie professionell sich Reinhard Göhner aus der Affäre zieht.

Dienstag, 25. Juli 2006

Göhner, ein Mann der Wirtschaft

Der BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner hat kein Problem, neben seinem Cheflobbyistenjob ein Bundestagsmandat zu führen.

Der Streit über die Trennung von Mandat und Funktionärsamt sei eine "künstliche Diskussion", sagte Göhner. Es müßte im Gegenteil mehr Abgeordnete geben, die neben ihrem Mandat in der Wirtschaft arbeiteten.
So steht es hier zu lesen, unter anderem.

Der Mann verwechselt etwas Grundlegendes. Wirtschaft ist Agrar, Industrie, Dienstleistung, Handel. Wirtschaft ist Wertschöpfung. Wirtschaft ist nicht Verband.

Montag, 24. Juli 2006

Land der Ideen

Ähm, Adolf, ich hätte da mal ne Idee im Land der Ideen ...

Aus dem Land der Ideen ...

Tipp: Bild anklicken, dann wirds groß als Pop-up.

Donnerstag, 29. Juni 2006

Jenische

Deutschland wird nie multikulturell werden. Denn Deutschland hat nie begriffen, dass es multikulturell ist, dass es hierzulande Minderheiten gibt. Minderheiten wurden immer ausgeblendet. Zum Beispiel die Jenischen.

Im Ichenhausen, vielleicht zehn Kilometer entfernt von dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es viele Jenische. Sie wurden meist abschätzig Wackes genannt, wobei Wackes eigentlich für Elsässer steht. Oder Zigeuner, dabei sind die Jenischen hellhäutig. Die Jenischen aus Ichenhausen waren landauf, landab verrufen als üble Schläger und Messerstecher, allesamt kleinkriminell. Nicht nur die Eltern, auch die älteren in der Clique bedeuteten einem, einen weiten Bogen um die Jenischen zu machen. Und das haben wir gemacht. Wer die Jenischen waren, hat uns weiter nicht interessiert.

Einmal, 1984, habe ich bei einer Ferienarbeit einen Jenischen kennengelernt, Wolfgang hieß er. Ich war 19, Schüler, unbedarft. Er war 19, verheiratet, Vater einer Tochter, kriminell, hatte Knasttätowierungen. Wolfgang war nett. Er lud mich nach der Schicht, Taubenscheiße wegputzen im Rohbau des Atomkraftwerks Gundremmingen, Block B, zu seiner Familie ein, in eine Wohnsiedlung, die einem Schrottplatz glich. Seine Schwester nannte mich, ich kann den Wortlaut nur aus meiner Erinnerung wiedergeben, „zschuckersche Bul“, was ich für mich damals mit „zuckersüßem Buhlen“ übersetzte, und hat mir vor der versammelten Großfamilie am Essenstisch den Kopf getätschelt. Vielleicht stimmt es ja mit dem zuckersüßen Buhlen. Auf jeden Fall haben alle in Wolfgangs Familie darüber gejohlt und gewiehert. Es gab Hausmannskost, kein Zigeunerschnitzel. Ich kam fröhlich, lebend und ziemlich besoffen von dem Spontanfest bei Wolfgangs Familie nach Hause. Nach dem Ferienjob ging ich studieren, verlor Wolfgang aus den Augen.

Das Phänomen der Jenischen habe ich nie weiter ergründen wollen. Bis ich gestern auf einen Eintrag in der Wikipedia stieß und auf weitere Seiten im Netz. Die Herkunft der Jenischen bleibt für mich wie für sie selber mysteriös. Aber sie haben eine Jahrhunderte alte Kultur. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie als „Zigeunermischlinge“ oder „Asoziale“ verfolgt und in den KZ zusammen mit den Sinti und Roma ermordet. Trotzdem sind die Jenischen in Deutschland heute eine der letzten Gruppen, deren Verfolgung keinerlei öffentliche Anerkennung fand.

Ich habe nachgefragt bei Leuten aus der Gegend, die ich längst verlassen habe: In Ichenhausen gelten sie immer noch als Wackes und Zigeuner.

Donnerstag, 8. Juni 2006

Zensur

Mein Kollege ist gerade in Schanghai, eine Kombination aus Urlaub und Arbeit am Notebook, er sitzt an einer Kundenzeitschrift für einen treu-doofen Maschbauer aus Baden-Württemberg. Die Texte meines Kollegen müssen, ehe er sie per E-Mail an die Agentur übermitteln darf, von einem Zensor gelesen werden. Irrwitzige Vorstellung. Ein chinesischer Zensor bückt sich über Geschichten, in denen die unbestreitbaren Vorzüge von Fünfachsendrehwellengelenkschenkeln in aller Ausführlichkeit beschrieben sind, nickt wissend und gibt dann die Übertragung frei.

Scheiß Land, das da unten. Sage ich ganz unzensiert.

Dienstag, 6. Juni 2006

200 Milliarden Dollar Umweltschäden

200 Milliarden Dollar an Umweltschäden jedes Jahr richtet der Raubtierkapitalismus in China an. Das sagt, siehe Link, der Vizechef des chinesischen Umweltamtes. Wenn dazu noch eine Dunkelziffer kommt, wie sie etwa bei der Angabe der vollstreckten Todesstrafen hinzuzurechnen ist, dann ist es bald vorbei mit dem Land.

Dem Raubtierkapitalismus ist das einerlei, er zieht einfach weiter, ein neues Land verwüsten.

Und was lernen wir daraus?

Dass es vielleicht doch geschickter wäre, ein Hemd in Deutschland für 15 Euro herzustellen statt in China für fünf? Oder einen platten Fahrradschlauch zu flicken, anstatt einen neuen zu kaufen, für drei Euro im Baumarkt? Oder eine Heckenschere für 100 Euro zu kaufen und keine für 30? Oder darauf zu verzichten, einen Fußball für 110 Euro zu kaufen, nur weil der die richtige Marke hat, wobei der Ball in Fernost für fünf Euro hergestellt wird?

Ich fürchte, das passt nicht recht in unsere Konsumwelt.

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