Politik

Montag, 31. Mai 2010

Bundeshorst ist zurückgetreten

Bundeshorst ist weg. Dass er überhaupt hinkam, war eine Frechheit. Permanent moserte er über "die Politiker", die ihrer Verantwortung nicht nachkämen und die Profitorientierung "der Banker", die keinerlei soziales Gewissen besäßen.

Dabei war der Mann Berufspolitiker (und plünderte in dieser Funktion die Rentenkasse, um die Einheit zu finanzieren) und IWF-Chef (wobei er sich für Deregulierung und Marktliberalisierung stark machte). Den kleinen Mann entdeckte Köhler erst als Präsi.

So, und nun sagt der Mann endlich mal die Wahrheit. Eine wirtschaftliche Groß- und militärische Mittelmacht wie Deutschland tritt in der Welt auf wie wirtschaftliche Groß- und militärische Mittelmacht - und muss zur Not eben auch Handelsrouten mit Waffengewalt sichern. So etwas sagt der umjubelte Herr Obama doch jeden Tag. So etwas machen unsere Soldaten (zumindest die am Horn von Afrika) jeden Tag.

Und der Horst? Der muss für die Wahrheit zurücktreten.

Schade eigentlich, vor allem, weil Urban Priol nur noch in der nächsten Sendung Gelegenheit hat, eine Köhler-Parodie zum Besten zu geben. Aber fürs Kabarett besteht zumindest Hoffnung. Wie sagt der Kleine Mann? Es kommt nichts Besseres nach.

Freitag, 2. April 2010

Selbstjustiz?

Erstaunlich. Bei Kindesmissbrauch durch irgendwelche armseligen Triebtäter fordert der deutsche Stammtisch reflexhaftig die Todesstrafe in allerlei kreativen Ausformungen. Mit dem Spaten totschlagen, am Sack aufhängen, bis der Täter verfault und verrottet, oder der Klassiker: Schwanz abschneiden.

Gehören die armseligen Triebtäter aber den diversen Blutorden der katholischen Kirche an, ist davon nichts zu hören. Geschweige denn, dass tatsächlich jemand zur sträflichen und schändlichen Selbstjustiz greifen würde. Ich habe nichts davon gelesen, dass etwa nachts ein Mob einen Kinderschänder im Pfarrhaus aufgesucht hätte, ihn mit Axtstielen malträtiert, mit einem Schild "Kinderficker" um den Hals durchs Dorf gejagt und zurück in die Kirche getrieben - und diesen Ort der Verdammnis an allen vier Ecken angezündet ... nicht mal Pläne dieser Art sind ruchbar geworden.

Dienstag, 23. März 2010

Macht korrumpiert

Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut
Das sagte John Emerich Edward Dalberg-Acton, erstaunlicherweise kommentierte er mit diesem geflügelten Wort die päpstliche Unfehlbarkeitsdoktrin des Ersten Vatikanischen Konzils. Damit sind wir direkt beim Kontext: Missbrauch.

Und mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen.

Oder doch: Wenn ich heute eine Woche lang nichts zu ficken habe, werde ich komisch. Früher hat es nur drei Tage lang gedauert. Aber ich bin Mitte 40, da ist eine Woche schon okay.

Wie mögen dann erst Typen drauf sein, die ein lebenlang nichts zu ficken haben.

Dienstag, 16. Februar 2010

Botticelli und Marx

Wir waren am Samstag in Frankfurt auf der Botticelli-Ausstellung im Städel und standen geschlagene drei Stunden in der Eiseskälte an. Nach der von uns einkalkulierten anderthalbstündigen Warterei war die Kasse fast in Reichweite, aber dann kam ein Rudel Großkopferter daher. Alte Knaben mit Monogramm im blassblauen Maßhemd (wobei ich im Geschäft mitunter auch Maßhemden trage, nur ohne Monogramm und weiß) in Begleitung pelzbemantelter gesichtsoperierter Hühner mit rotgefäbten Turmfrisuren. Oder die Gemahlinnen waren blond, 30 Jahre zu jung und wurden wie Trophäen hergezeigt. Diese Herrschaften sorgten dafür, dass am Einlass noch einmal fast anderthalb Stunden lang nichts weiterging. Ich derweilen beschwor inwendig Karl Marx, während ich versuchte, nach außen hin gute Miene zu machen und die maulenden Kinder und die maulende Frau bei Laune zu halten.

Der Botticelli war gut. Simonetta Vespucci (Botticellis Modell für die Venus und diverse Madonnen) hat große Ähnlichkeit mit Uma Thurman. Eine Mörder-Frau. Im Wortsinn, sie war liiert mit einem dieser Medici-Verbrecher.

Das Ergebnis: Am Sonntag lag ich schniefend und keuchend vor dem Kaminofen. Dabei schaute ich mir zuerst einen Bildband an, Quattrocentro in Florenz. Und danach spulte ich schnell einige Jahrhunderte vor und delektierte ich mich einmal mehr am Kommunistischen Manifest.

Montag, 23. März 2009

Neun Millimeter

Ein Ball. Ein Ski. Ein Puck. Ein Hockeyschläger. Das sind Sportgeräte. Von mir aus auch ein Luftgewehr, für Sportler, die nicht mehr rennen können.

Eine Neun-Millimeter-Pistole ist ein hocheffektives Tötungsinstrument. Nichts anderes.

Dienstag, 30. September 2008

Hypo Real Estate

Die Bundesregierung bürgt für Darlehen an die Hypo Real Estate mit einem "Risikoschirm" im Umfang von 35 Milliarden Euro. Das geht übers Wochenende.

Für das Geld könnte der Transrapid nicht nur in zehn Minuten vom Münchner Hauptbahnhof an den Flughafen fahren, sondern bis Nürnberg. Der frisch zurückgetretene Huber könnte Lokführer spielen. Der Stoiber dürfte die Ansagen machen. Das wäre bestimmt lustig.

Bayernwahl

Die CSU war früher nichts anderes als ein Scheinriese, wie Herr Tur Tur aus Jim Knopf. Je näher man ihr kam, desto kleiner wurde sie. Strauß und Stoiber aber taten so, als könne Bayern nicht allein eine eigene Wirtschaftspolitik, sondern auch eine eigene Außen-, Europa- und vielleicht sogar Währungs- und Verteidigungspolitik machen. Wegen dieser Kraftmeierei wurden sie (und alle Bayern) außerhalb Bayerns belächelt. Innerhalb Bayerns aber ernteten die CSU-Granden dafür Zustimmung ohne Ende. Und jetzt? Jetzt ist die Landespolitik auf Normalmaß geschrumpft. Und auf einmal wendet sich das Wahlvolk ab. Das versteh' einer.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Arbeitslosengeld

Geschrieben unter Schmerzen, weil mittlerweile zwei diagnostizierte Bandscheibenvorfälle den Arm lähmen:

Was mich mal interessieren würde: Wie viel Geld hat ein 57-Jähriger während seines Berufslebens in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, ehe er von seinem Arbeitgeber in die Altersarbeitslosigkeit gedrängt wird - und damit nach einem Jahr ins Hartz-IV-Elend?

Und, im Gegenzug dazu: Wie viel Geld hat Arbeits- und Sozialminister und Vizekanzler Franz Müntefering in seinem Politikerleben in diese Arbeitslosenversicherung einbezahlt?

Dem hinterherzuspüren, das wäre doch mal eine lohnende Aufgabe für den Journalismus, oder?

Mittwoch, 5. September 2007

Zu positiv

Lobbyist zu sein ist ein übler Job. Gut dotiert, aber übel. Der Lobbyist darf sich nie zufrieden geben mit dem politischen Apparat, unersättlich muss er neue Forderungen aufstellen und damit "Gehör finden". Und weil er immer quengelt, muss er als Gegenleistung die Politicos in teure Restaurants ausführen und sich überfressen.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass sich für den wirlich aufreibenden Job des BDI-Hauptgeschäftsführers nun jemand gefunden hat und diese Bürde auf sich nimmt. Es ist Werner Schnappauf, unser bayerischer Gammelfleischminister, der sich in vielen Fällen durch sein exzellentes Krisenmanagement auszeichnen konnte.

Schnappauf sei auserkoren worden, so BDI-Präsident Thumann, weil er mit Unternehmen beim Thema Umweltschutz eine „verlässliche und vernünftige Zusammenarbeit“ pflege.

Dies zeigt, zweite gute Nachricht, dass auch die Verbandsgranden vom BDI endlich einmal Humor zeigen.

Und, dritte gute Nachricht: Die humoristische Komponente bleibt uns im Freistaat erhalten. Kein anderer als Markus Söder, ebenfalls profilierter Krisenmanager, will die Nachfolge Schnappaufs antreten. Seine stets wunderbar durchdachten öffentlichen Äußerungen dürfen wir also weiterhin hören.

Ach wie schön!

Montag, 7. Mai 2007

Bundeshorst knickt ein

Der Bundeshorst knickt ein. Ausgerechnet vor Markus Söder. Das Generalsekret der CSU, auch bekannt als Wurmfortsatz in Stoibers Darm, hatte gestern noch medial verkünden dürfen, eine Begnadigung Klars würde die Wiederwahl unseres Bundespräsidentenversuchs "mit einer schweren Hypothek" belasten.

Zum Verständnis: Klar bittet einen ehemaligen geschäftsführenden Direktor und Vorsitzenden des Exekutivdirektoriums des Internationalen Währungsfonds, also seinen früheren politischen Erzfeind, um Gnade. Klar bittet also um einen Willkürakt des Staates. Mehr Anerkennung für und Unterordnung unter die Staatsmacht ist nicht möglich. Und was macht Christ Köhler? In guter christlicher Tradition verweigert er die Begnadigung des geläuterten Ex-Terroristen.

Bravo, Bundeshorst, bravo. Derweil darf der vielfache Mörder Christian Klar weiter hinter Gittern verfaulen. Zwar sitzt Klar noch nicht ganz so lange ein wie der vielfache Schreibtischmörder Rudolf Hess, aber immerhin bereits länger als der vielfache Schreibtischmörder Albert Speer. Wenn das mal keine Verhältnismäßigkeit ist.

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