Work-Life-Balance

Sonntag, 23. September 2007

Bandscheibenvorfall

Blogpause, unfreiwillig. Bandscheibenvorfall in Halswirbelsäule. Besser gesagt zwei Bandscheibenvorfälle mit schiefstehendem Wirbel. Rechter Arm mit Lähmungserscheinungen. Brutale Schmerzen, brutale Schmerzmittel. Sonst nichts. Bis auf: Von einem Arzt zum anderen pilgern. Jetzt: Warten auf Befund des Orthopäden und dessen Empfehlung.

Auf hoffentlich bald.

Stachanow

Dienstag, 14. August 2007

Fahrbericht Honda CBR 1100 XX Superblackbird

Ich habe kein Auto. Ich fahre Motorrad. 25.000 Kilometer im Jahr. Auch im Winter. Beim Motorradfahren war ich lange Zeit auf dem Supersportler-Trip. Wenig Gewicht, dafür Leistung, Leistung, Leistung. Zuletzt eine Kawasaki ZX 6-R mit 125 PS und 160 Kilo Trockengewicht. Eigentlich Renntechnik. Hauptsache schnell.

Nach meinem Unfall habe ich umgesattelt, auf eine Honda CBR 1100 XX Superblackbird. Denn es gibt einen anderen Weg, noch schneller zu sein. Den des Sporttourers. Wer sich nicht auskennt: Der Unterschied liegt im Gewicht und der Fahrwerkscharakteristik. Sporttourer sind weicher gefedert und sehr viel schwerer. Meine Honda hat nur 152 PS und wiegt 230 Kilo trocken.

Früher habe ich die Jungs auf den großen Maschinen, ihren Superblackbirds und Hayabusas, gerne öffentlich belächelt. Und auf der Landstraße heimlich gefürchtet. Weil sie mich gejagt haben. Heute mach ich es anders herum.

Neulich, an der Ampel, steht neben mir die Honda CBR 1000 Fireblade in der Repsol-Version. Sauschnell. Das giftigste, was der Markt heute bietet. 180 PS, 180 Kilo. Er macht brummbrumm und lächelt mitleidig rüber. Ich mach auch brummbrumm und lächle zurück. Rot. Rot-Gelb. Grün. Die Respol zieht weg wie Sau. Klar, ihr erster Gang geht bis 165. Dafür muss ich zweimal schalten. Bevor ich die Repsol aus den Augen verliere, biegt sie rechts ab, geht auf die Nebenstraße. Schnelle Kurven, aber geflickter Asphalt. Und dort, ja dort versagt die Renntechnik.

Warum? Ein Supersportler ist hart gefedert. Knallhart. Das ist in der Kurve gut, verträgt sich aber nicht mit Asphaltflicken. Denn beim Anbremsen einer Kurve geht das Motorrad vorn in die Knie, die Schwinge hinten wird massiv entlastet. Kommt nun ein Teerflicken, hebt das Hinterrad ab. Weil der Fahrer aber auch mit dem Hinterrad bremst, um beim Anbremsen der Kurve keine Zeit zu verlieren, blockiert das Hinterrad in der Luft. Zwar nur einen Sekundenbruchteil, aber es steht still. Jetzt kommt die Schwerkraft. Das Rad setzt blockiert wieder auf und gewinnt dadurch den Impuls, wieder abzuheben. Effekt: Die Schwinge flattert.

Wer einmal eine Kurve mit flatternder Schwinge angefahren hat, der lernt eines: dass er niemals wieder eine Kurve mit flatternder Schwinge anfahren wird. Und so kommt es, dass bis auf wenige Spitzenfahrer alle Fahrer eines Supersportlers Kurven viel zu früh anbremsen und meist auf die Hinterradbremse verzichten.

Habe ich früher auch gemacht.

Mein Tourensportler dagegen ist weicher gefedert. In der Kurve ist das schwere Ding deshalb etwas langsamer. Nur vor der Kurve – da flattert nichts. Da bin ich schneller.

Und so spürte der junge Mann auf seiner Repsol ständig meinen heißen Atem im Nacken. Vor jeder Kurve klebe ich an seinem Hinterrad. Aus der Kurve raus ist er schneller. Auf der Geraden zieht er weg. Und vor der nächsten Kurve habe ich ihn wieder. Irgendwann ging er dann dazu über, auf der Geraden 200 zu fahren. War mir zu blöd, ich hab ihn ziehen lassen.

Ach ja, eins noch: Ich verstehe immer noch nicht, wie die Honda-Marketing-Leute ein Motorrad ausgerechnet "Superblackbird" nennen können. Kingt martialisch. Heißt aber nichts anderes als Superamsel.

Montag, 5. März 2007

Kleine Zeitreise

Kleine Pause in einem sonst durchgearbeiteten Wochenende. Mit dem Motorrad am Sonntagmittag durch die Dörfer des Steigerwaldes hinunter zum Main, also vom Bier- ins Weinfranken. In den Käffern des Steigerwalds liegen Hunde faul mit zugekniffenen Äuglein in der Sonne. Krumme alte Weiber eilen mit schiefen Beinen vom Kirchgang nach Hause. Aus jedem zweiten Haus riecht es bis weit hinaus auf die Straße fettig nach schmurgelnder tiefdunkler Bratensoße. Weit vor den Wirtschaften umfängt einen schon der Bierdunst. Männer mit krebsroten Gesichtern inhalieren den Rauch billiger Zigarren. Einen Cholesterinspiegel oder einen Body-Mass-Index haben bloß Stadtleute. Der Asphalt auf den Dorfstraßen ist tausendmal geflickt, die Maschine bockt. Die Bäche führen Hochwasser, schmutzigbraun. Am Bachufer eine Schar Kinder. Sie beschmutzen johlend ihre Sonntagsgewänder. Mein Ausflug wird zur Zeitreise.

Vom Steigerwald fallen Serpentinenstraßen steil hinunter zum Main. Die Straße ist hier nass und voller Äste, am Vortag war ein starker Wind. Also behutsam Gas geben. Die Landschaft wird offen, das Fachwerk seltener. Dafür sind die alten Häuser jetzt aus weißem Muschelkalk gemauert, der in der Sonne gleißt. In Sommerhausen stolpert eine Busladung Rentner auf die Straße, fröhlich zwitschernd eilen beigefarben gekleidete Menschen auf die nächste Wirtschaft zu. Die Männer tragen Herrenhandtaschen. Der feiste Wirt steht auf der Treppe und reibt sich die Hände an einem alten Lappen. Auf dem Weg nach Nordheim überhole ich einen alten Sack mit Pilotenbrille im Z4. Auf dem Beifarhrersitz eine Frau. Die Mainfähre hat wegen Hochwassers den Betrieb eingestellt, schade. Ich kaufe mir beim Winzer zwei Flaschen trockenen Schwarzriesling und treffe dort den alten Sack aus dem Z4 wieder. Auch aus der Nähe sieht der Mann nach Geld aus. Er kauft einen Karton Schwarzriesling, halbtrocken, den er mühselig im Kofferräumchen seines Wagens verstaut. Vorher verlangt er eine Quittung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer. Also bescheißt der Her Unternehmer den Staat. Halbtrockener Schwarzriesling im Z4 und Steuern hinterziehen. Ich habe mir schon beim Überholen gedacht, dass der Mensch keinen Geschmack hat. Die Frau mit dem Kopftuch ist so alt wie er und die beiden gehen so miteinander um, als seien sie lange miteinander verheiratet. Wenigstens hat sich der Herr Unternehmer keine Trophy-Woman geholt, auf die alten Tage.

Das Büro ruft. Auf dem Heimweg nehme ich die Autobahn. Nach dem Bürotag fahre ich nach Hause. Zum Abendessen öffne ich eine Flasche von dem Schwarzriesling, den man nicht zu warm trinken darf, damit er gut nach Sonne schmeckt und berichte meiner Frau vom Ausflug. Das nächste Mal wollen wir gemeinsam fahren.

Sonntag, 1. Oktober 2006

Federweißer

Nach mehrtägiger Dienstreise zu Leuten, die nicht wissen, was ein Presseverteiler ist, aber aber die Zeitungen voll sehen möchten mit ihren Visagen und sich Vorstand titulieren lassen, glücklich heimgekehrt, fuhr Stachanow mit seiner Familie am Samstag zum Winzer und kaufte Federweißen, einen Zwei-Liter-Kanister voll des hefig-cremig-sprudelnden Getränks. Daraus zwackte er am Samstagabend einen Dreiviertelliter für sich ab und trank sich einen kleinen Rausch an. Frau Stachanowa begnügte sich mit einem Glas, sodass noch genügend für ein weiteres Räuschlein im Kühlschrank leise blubbernd vorsichhingärt.

Am Sonntag versammelte sich die Familie um Herrn Stachanow und ging Pilze sammeln. Die Ausbeute reichte, damit sich alle davon eine Vorspeise zum Abendessen nehmen konnten. Danach warf Herr Stachanow den Grill an, legte Schweinernes vom Bauern auf und die letze Zucchini aus dem Garten und öffnete eine Flasche des gekühlten Silvaners, die er ebenfalls beim Winzer mitgenommen hatte. Und das nächste Räuschlein ward gerufen und es kam auf leisen Sohlen an und besuchte Herrn Stachanow wie einen guten Freund.

Und morgen, morgen wird er nüchtern ins Büro ententeilen und versuchen, treffliche und wohlfeile Worte hineinzugießen in ein Angebot an Leute, die nicht wissen, was ein Presseverteiler ist, aber die Zeitungen voll sehen möchten mit ihren Visagen und dafür die Dienste des Herrn Stachanow in Anspruch zu nehmen bereit sind, auf dass sich dieser mit dem verdienten Gelde noch viele Flaschen Silvaner und Kanister voll des Federweißen kaufen kann.

Und es wird sein Frieden auf Erden.

Donnerstag, 21. September 2006

Wellness

Kann mir jemand verraten, was Frauen an diesem Gewellnesse finden?

Frau Stachanowa geht am Freitag mit einer Freundin ins Hotel, irgendwo an den Arsch der Welt im Bayerwald, und beide giggeln seit Wochen am Telefon rum wie 14-jährige Gören.

Samstag, 16. September 2006

Ein schlechteres Land

Früher, wenn wir als Kinder nach Frankreich in die Ferien fuhren, glaubten wir beim Passieren der Rheinbrücke – nein, wir hatten die Gewissheit –, dass wir uns nun in einem schlechteren Land befänden.

Das Geschwätz unseres Stiefgroßvaters Jupp vom „Franzmann, dem Schönwettersoldaten“ hatte an dieser Einschätzung den geringsten Anteil. Frankreichurlaub verlief im Hinblick auf Opa Jupp stereotyp. Mein Vater kündigte an, dass wir in den Urlaub fahren würden und bat Großvater beim Sonntagskaffee, auf unsere Karnickel aufzupassen. Daraufhin sang Opa „Siegreich woll’n wir Frankreich schlagen“ und wir Kinder spürten, dass unser Großvater – nein, unser Stiefgroßvater – ein verhärmtes Arschloch war. Es erschien für uns Kinder nur gerecht, dass der Russe, offenbar ein Schlechtwettersoldat, dem Opa Jupp später im Krieg „ein Bein genommen hatte“, wie er immer sagte.

Auch dass Mutter ihren Filterkaffee mitnahm, hatte wenig Anteil an unserem Urteil über Frankreich.

Es war das Große und Ganze. In Frankreich waren die Straßen schlechter, die Autos kleiner und verbeulter und älter, die Häuser windschief, die Städte schmutzig. Wir Kinder erkannten, dass es die Menschen dort schwerer hatten als in Deutschland. Ja, die Eltern lobten das Essen und den Wein. Das war besser als in Deutschland, aber wenn sich meine Eltern daran freuten, wie billig alles sei, wenn man nur Plate du Jour nähme, sahen wir darin abermals ein Zeichen für Frankreichs Unterlegenheit. Denn Mutter lobte nicht nur das Essen und den Wein und die billigen Preise, sondern anschließend immer gleich auch den Vater, wie fleißig er sei und was wir uns seines Fleißes wegen alles leisten könnten. In Deutschland gab es das nie, Vaters Fleiß war im Inland offenbar nur Durchschnitt.

Zuletzt gab es am Strand die letzte und unwiderlegbare Gewissheit der französischen Minderwertigkeit: Das Sandelzeug, das es dort am Kiosk zu kaufen gab, war windig. Die Eimerchen platzten beim ersten Befüllen, die Schäufelchen knickten bei der geringsten Belastung um, die Siebe taugten nichts und die Förmchen waren sofort verklumpt. Alles war viel schlechter als daheim, weshalb wir Kinder beim zweiten Mal unser Sandelzeug von daheim mitbrachten, so wie Mutter ihre Jacobs Krönung.

Vergangene Woche bin ich mit meiner Familie aus dem Frankreich-Urlaub zurückgekehrt. Als wir über den Rhein fahren und auf der A5 die Spurrillen anfangen, sagt mein Sohn: „Ist Deutschland eigentlich schlechter oder besser als Frankreich? Die Autobahn in Frankreich kostet was, aber dafür schaukelt es nicht so wie hier.“ Und meine Tochter meint: „Schaukeln ist doch egal. Aber hier haben wir genug Geld, dass wir endlich mal wieder etwas Warmes im Restaurant essen können.“

Sonntag, 16. Juli 2006

Richard Gere in unserem Garten

Hoher Besuch gestern. Richard Gere war da, samt Frau. Zumindest sein selbsternanntes Look-alike. Allein fünfer silbriger Haare wegen, die neuerdings seinen Scheitel zieren. Sonst besteht eigentlich keine Ähnlichkeit zwischen dem Filmstar und seinem Look-alike, was dieser aber nicht gelten lässt.

Gere und seine Frau A. spielten Boule in unserem Garten gegen Madame Stachanowa und mich. Die Gäste gewannen, Richard Geres Frau bewies großen Eifer. Beim Essen sprachen die Frauen von Kindern und wir Männer redeten wir kurz von Bloggern, die ihre Weisheit mit exquisiten Silberlöffelchen gefressen haben, und tauschten uns dann lange über Oberlippenbärte aus. Gere war der Meinung, er sähe damit aus wie Albert Einstein. Dann malte er folgende Gleichung in die Luft:

Richard Gere + Oberlippenbart = Albert Einstein. Mit Zunge raus.

Später warf sich Richard Gere erst Senf und dann die Besteckgabel auf die Leinenhose und faselte irritiert von Gallseife. Es wurde ein vergnüglicher Abend.

Seinen Sommerhut hat Richard Gere hier vergessen. Wenn er mir seine Postadresse nennt, kommt der Hut schnellstens nachgesandt nach Hollywood.

Mittwoch, 12. Juli 2006

Riesen-Bärenklau

Der Riesen-Bärenklau wuchert rings um mein Dorf. Nachdem ich mir vor etlichen Jahren den Unterarm an so einem Scheißding veräzt habe, beschloss ich heute, dem Kroppzeug am Bachrand zuleibe zu rücken. Dick eingemummt in Motorradkluft. Leider, so erfahre ich jetzt aus der Wikipedia, nutzt das Abschneiden alleine nichts. Ich werde mir wohl einen Flammenwerfer basteln.

Montag, 3. Juli 2006

Klinsmänner kaputt

Werden wir so Weltmeister?

Werden wir so Weltmeister?

Wenn wir sogar schon Holländer nachnominieren müssen?

Wenn wir sogar schon Holländer nachnominieren müssen?

Sonntag, 18. Juni 2006

Der Hammer

Heute fuhr ich mit meinem Sohn (9) und seinem Schulfreud nach Solnhofen, Versteinerungen suchen. Unser wertvollster Fund im Hobbysteinbruch war kein Archaeopteryx, sondern ein pfennigguter, nagelneuer Hammer - wohl liegengelassen von einem mindestens ebenso herausragenden Paläontologen wie wir drei.

Vom Solnhofener Hobbysteinbruch kann ich, nebenbei bemerkt, nur abraten. Alles, was wir nach vier Stunden schweißtreibender Klopferei und dem Heraushauen eines halben Kubikmeters gewachsenen Plattenkalks gefunden haben, waren ein paar seit Jahrmillionen tote Wasserläuse. Nebenan, vor einem normalen Steinbruch, prangen die üblichen Betreten-verboten-Schilder. Dahinter braucht man die Ammoniten nur aufzuklauben. Wir machten fette Beute, die nun in Vitrinen verstaubt. Wobei mir mein Sohn auf dem Rückweg gestand, er sei in eine Klassenkameradin verliebt und wolle ihr nun eines der Stücke verehren. Mal sehen, ob sich eine Drittklässlerin davon betören lässt. Aber das Prinzip des Geschenks ist zweifellos richtig. Um das zu kapieren habe ich länger gebraucht als mein Sohn.

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