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Worte

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Bedrohte Wörter

Da gibt es eine nette Seite im Netz, auf der viele Leute emsig bedrohte Wörter anhäufen. Ein ehrbares Unterfangen, um dem Denglischen zu wehren. Wiewohl: Das hehre Ziel gerät mitunter in Widerstreit mit der Political Correctness.

Neger, Zigeuner und der Erbfeind, despektierlich auch Franzmann genannt. Dazu der Iwan und der Muselmann, der Mohrenkopf, das Irrenhaus und der Judenspeck (heute Mäusespeck genannte Süßigkeit). Diese Begriffe entstammen nicht aus dem Braunwelschen der Drecksnazis. Diese Wörter sind einfach nur alt und abgelöst. Zumeist mit Recht. Und: Diese Wörter zeugen auch davon, dass die gute alte Zeit gar nicht so gut war, sondern xenophob und scheiße.

Aber wenn jemand dort auf dieser Internetseite ein solches Wort postet und dabei durchaus auf den Zeitkontext hinweist, winden sich die Wortantiquare auf der Seite in ihren Kommentaren gequält hin und her. Weil das hehre Ziel der Sprachkonservierung und Political Correctness halt einfach nicht zusammengehen wollen.

Mittwoch, 15. November 2006

Einfachheit

Die Weltfirma P*hilips sagt in ihrer Zahnbürstenwerbung:

Einfachheit ist, sich die Zähne zu putzen und gleichzeitig Körperpflege zu betreiben.

Meine Güte, welche Qual. Allein das Wort Einfachheit. Es ist nicht einfach, dieses Wort - und daher kontraproduktiv. Dann dieser Satz, dessen Dummheit zum Himmel schreit. Körperpflege ist der einzige Zweck des Zähneputzens. Zähne sind ein Bestandteil des Körpers. Daher kann man mit dem Zähneputzen nicht gleichzeitig Körperpflege betreiben, man tut es einfach.

Gehen wir einmal davon aus, dass ein normal intelligenter Mensch diese Werbung beauftragt, ein normal intelligenter Mensch diesen Satz geschrieben und ein normal intelligenter Mensch diesen Satz abgenommen hat. Wären diese drei Menschen nicht normal intelligent, wären sie nicht in der Funktion, in der sie sind.

Warum nur kommt ein derart verkrampfter Mist heraus? Welcher Teufel reitet die?

Mittwoch, 2. August 2006

Quasi

Wir schalten quasi um in den Unverbindlichkeitsmodus. Quasi. Lateinisch. Qua-si. Als wenn. Oder auch: Gleichsam.

Immer öfter zu hören in Interviews, das verquaste quasi. Immer inflationärer, quasi.

Oh, Ihr Lateiner, wenn ihr wüsstet, was heute aus Eurem sparsam verwendeten "quasi" geworden ist. Quasi ist quasi das mitgesprochene "Anführungszeichen", quasi der perfekte Lückenfüller. "Ich bin quasi heute aufgestanden und quasi telefonisch darauf aufmerkam gemacht worden ..."

"Quasi" ist das "Oder so" der Jugendsprache, nur übersetzt ins latinisierte Stoiber-Deutsch. Die Unverbindlichkeit schlechthin. Getoppt nur noch von "Mit anderen Worten". Das mir mein Deutschlehrer ausgetrieben hat mit den Worten: "Wenn Du es mit den einen Worten nicht sagen kannst, dann suche nicht nach anderen, sondern überlege Dir die passenden Worte. Dann brauchst nur die einen und nie die anderen." Eine brauchbare Anleitung für guten Stil, quasi und mit anderen Worten.

Montag, 19. Juni 2006

Gut aufgestellt

Die Worthülse "gut aufgestellt" im Sinne von "vorbereitet sein": Vom medial vermittelten Sportsprech wanderte sie mit dem Wunsche der medialen Vermittlung ins Managersprech und von dort, so scheints, wabert sie wieder zurück zum Geschwafel über die fußballerische Leibesertüchtigung. Ich warte darauf, dass Reinhold B. Kernerbeckmann sagt, die deutsche Mannschaft sei "gut aufgestellt".

Donnerstag, 30. März 2006

Cluster

Es gibt ein neues Modewort in der Politik. Egal, ob in der Bildung, in der Wirtschaft oder dem Gesundheitswesen - kaum ein Politico kommt mehr ohne das Wort "Cluster" im aktiven Sprachschatz aus. Sobald drei halbwegs dasselbe machen und regional nicht weiter als vier Flugstunden auseinander sind, ist's ein Cluster. Bald wird auch Klinsi seine Viererkette "Abwehrcluster" nennen.

Samstag, 4. März 2006

Nahrologie

Garnier Jade passt sich bei der Anpreisung der neuesten Falten-Krem offenbar dem Intellekt der Kundschaft an und nennt das ganze Nahrologie. Ich fürchte, dieser Neologismus soll igendwie populärwissenschaftlich klingen - und ich fürchte, der kommt an.

Was mich interessiert: Wer sind die Leute, die sich so einen Blödsinn einfallen lassen? Was rauchen sie? Was denken sie, wenn sie morgens in die Arbeit gehen, und mit welchen Gefühlen sehen sie die Werbespots, die sie verbrochen haben? Ist da Scham dabei? Wenn jede Ausstrahlung des Spots so viel Geld kostet wie, sagen wir, eine "Teamassistentin" im Monat verdient - rechnet sich das? Finden sich tatsächlich so viel Blöde, die das kaufen? Platziert der Handel tatsächlich die Nahrologie-Krem aufgrund der vielen Spot-Ausstrahlungen in den besten Auslagen? Mit welchem Instrumentarium schaffen die Marktforscher die Fakten, damit das Marketing den ungeheuer blöden Begriff Nahrologie absegnet? Wie heißt Nahrologie auf Englisch/Französisch/Russisch? Sind die anderen Bezeichnungen ebenfalls so ungeheuer blöde wie der deutsche? Hat Blödheit System? Ist sie etwa gar das Geheimnis des Erfolgs von Garnier?

Hey, Ihr Anjas bei Garnier, Ihr habt doch bestimmt so ein Blog-Überwachungstool laufen. Bitte antwortet mir, wir sind hier ja anonym, gelle. Ich bin nur ein kleiner PR-Depp und fürchte, wenn ich keine Antworten erhalte, dumm zu sterben.

Montag, 23. Januar 2006

Vom Aussterben bedroht

Vom Aussterben bedroht. Die Begriffe, nicht die

Schufte,
Strolche,
Strauchdiebe

an sich. Bemerkenswert.

Mittwoch, 12. Oktober 2005

Starkes Stück

Ich schreibe bald wieder ein neues Buch. Hier der Textsteinbruch der Wörter, die unbedingt untergebracht werden müssen.

Meine treuen Leser und Kommentatoren bitte ich um weitere Vorschläge, rechtefrei an mich abzutreten. Ich brauche mehr als die paar Begriffe, der Schinken wird 300 Seiten dick.

Angeber
Anmache
Armleuchter
Artenschutz
banal
bersten
bierselig
Büroschlaf
Camarilla
Golfkrieg
halbseiden
Hallodri
Kavallerie
Kleinkalibergewehr
Kollateralschaden
lebhaft
Lustmolch
Melange
Narretei
Nummernschild
pingelig
schutzwürdig
tollwütig
Trotzreaktion
Veitstanz
Verteilungskampf
verunglimpfen
wölfisch
wollüstig
zapplig
zweckentfremdet
Zwischenton

Freitag, 13. Mai 2005

Nicht therapierbar

Beim Lesen eines Werbemittels, das uns ein Softwareanbieter für Arztpraxen vorgelegt hat, worin geschrieben steht, Sprechstundenhilfen mit der "Balanced Scorecard" zu bewerten und dadurch "Win-win-Situationen" zu erzielen, entfuhr es meinem Kollegen:

Hirnfürze.

Freitag, 18. März 2005

Freilandser

Freilandser. Was bin ich heute wieder schöpferisch. Meine Entdeckung! Google liefert nur einen Hit, der nicht passt. Wie ich drauf gekommen bin? Gerade mailt mich ein Kollege aus dem Online-Journalismus an und fragt, was er als Freelancer in der PR kriegen kann. Außer Ärger nicht viel.

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