Dienstag, 16. Februar 2010

Botticelli und Marx

Wir waren am Samstag in Frankfurt auf der Botticelli-Ausstellung im Städel und standen geschlagene drei Stunden in der Eiseskälte an. Nach der von uns einkalkulierten anderthalbstündigen Warterei war die Kasse fast in Reichweite, aber dann kam ein Rudel Großkopferter daher. Alte Knaben mit Monogramm im blassblauen Maßhemd (wobei ich im Geschäft mitunter auch Maßhemden trage, nur ohne Monogramm und weiß) in Begleitung pelzbemantelter gesichtsoperierter Hühner mit rotgefäbten Turmfrisuren. Oder die Gemahlinnen waren blond, 30 Jahre zu jung und wurden wie Trophäen hergezeigt. Diese Herrschaften sorgten dafür, dass am Einlass noch einmal fast anderthalb Stunden lang nichts weiterging. Ich derweilen beschwor inwendig Karl Marx, während ich versuchte, nach außen hin gute Miene zu machen und die maulenden Kinder und die maulende Frau bei Laune zu halten.

Der Botticelli war gut. Simonetta Vespucci (Botticellis Modell für die Venus und diverse Madonnen) hat große Ähnlichkeit mit Uma Thurman. Eine Mörder-Frau. Im Wortsinn, sie war liiert mit einem dieser Medici-Verbrecher.

Das Ergebnis: Am Sonntag lag ich schniefend und keuchend vor dem Kaminofen. Dabei schaute ich mir zuerst einen Bildband an, Quattrocentro in Florenz. Und danach spulte ich schnell einige Jahrhunderte vor und delektierte ich mich einmal mehr am Kommunistischen Manifest.

Donnerstag, 26. November 2009

Exzellenz

Überall wo man hinschaut, wird einem heute exzellenter Service angeboten, es gibt Exzellenzinitiativen, Center of Excellence, Excellence-Cluster und was weiß ich.

Exzellenz ist als Anrede ausländischen Staatsoberhäuptern, Botschaftern und Bischöfen vorbehalten und kommt vom lateinischen excellencia, was Herrlichkeit bedeutet. Das allein macht die Bezeichnung schon lächerlich genug.

Wer aber wirbt mit dem Begriff? Und was steht dahinter?

Exzellente Leistungen können nur von exzellenten
Mitarbeitern erbracht werden. Ist doch logisch, oder? Dann müssten diese Mitarbeiter aber auch exzellente Bedingungen vorfinden und exzellent entlohnt werden. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass letzteres, die exzellente Entlohnung, bei den vielen, vielen Unternehmen, die sich heute exzellent schimpfen, nur fürs Management gilt.

Ich jedenfalls zahle meine Leute und mich nicht exzellent, sondern gut. Das muss reichen.

Montag, 23. November 2009

Reisleine

Heute schreibt mir ein Kunde, dass er jetzt die Reisleine zieht. Der Begriff muss wohl aus Asien stammen, ich stelle mir darunter irgendein Werkzeug vor, vielleicht eine Richtschnur zum Bau von Reisterrassen. Oder habt Ihr eine Idee?

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Unwort Manager?

Dominik Brunner, der Mann, der auf dem Bahnsteig in Solln von zwei Jugendlichen erschlagen wurde, wird von den Medien meist verschämt als "Geschäftsmann" beschrieben.

Der mutige Mann war aber kein "Geschäftsmann", sondern arbeitete als Finanzvorstand einer Aktiengesellschaft. Die Berufsbezeichnung dafür lautet gemeinhin: Manager.

Darf man heute nicht mehr Manager schreiben? Journis, was soll dieser Wortklitterungsscheiß?

Freitag, 2. Oktober 2009

Philosohie

Nach meiner Rückkehr vom Klassentreffen (Abi '84 ist 25 Jahre her) kam ich zur Erkenntnis, dass der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts ganz zweifellos Rod Steward sein muss.

Some guys have all the luck.

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