Mittwoch, 19. Oktober 2005

Haltungsturner als Mensch

PR-Seminar in Nürnberg, Kaffeepause. Ich hab drinnen einem Referenten ein wenig auf den Zahn gefühlt. RSS ist jippiiee, sagt er. Kann man riesig PR damit machen. Ich frage, was er davon hält, wenn Fachpresseinfos über irgendwelche drögen Logistikprojekte höchst honoriger Logistiker via RSS-Feeds auf Pornoseiten landen. Eloquenter Bursche, nett, aber mei. Ich habe für den Google-Hit auf der Pornoseite übel Haue gekriegt. Die Klatsche musste sein. Er nimmt sie gelassen, zieht sich hervorragend aus der Affäre. Muss man ihm lassen.

Draußen, Kaffeeepause, redet er übers bloggen. Hört sich vernünftig an, was er sagt. Ich frage, er sagt, er sei
Haltungsturner.

Ich oute mich.

Wir stolpern übereinander im Netz und im Leben. Und haben jetzt allen Grund, uns schief und krumm zu lachen.

Seine Sicht der Dinge steht, wie könnte es anders sein, seit ein paar Stunden auf seinem Blog. Dumm nur, dass ich zu dumm bin, auf Blogger.de die Kommentarfunktion zu bedienen, sonst hätte ich mich schon längst für den netten Kerl bedankt und selbigen zurückgegeben.

Trackback URL:
//stachanow.twoday.net/stories/1073633/modTrackback

Haltungsturner - 19. Okt, 21:48

dabei ist das gar nicht schwer - zwar bescheuert wie so vieles bei blogger.com, aber einfach tippen, einen Namen ausdenken und los.
Aber ich habs auch so gefunden und danke für das Kennenlernen. Bis zum nächsten Mal :-)

(wieder zurück in HH)

Menotti - 20. Okt, 10:44

Haltungsturner, bitte ziehen Sie um! Das Kommentieren bei Ihnen ist wirklich ein Schmerz im Hintern wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Und dann kann man noch nicht mal trackbacken ...

Stachanow - 20. Okt, 11:55

Lieber Meistertrainer César Luis, ich gebe Ihnen völlig Recht. Die Kommentarfunktion von Blogger ist ein Jammer. X-Mal Quatsch wie qigforx von einem ollen Bild abschreiben, X-Mal die Meldung, dass der Request nicht funzt und die Seite des Kommentars nicht mehr verfügbar ist. Zuletzt noch, wenn es dann klappt, der Zeitverzug, bis es veröffentlicht ist. Lästig ist das. Herr Haltungsturner, kommen Sie hierhin, twoday ist besser!
Haltungsturner - 20. Okt, 12:17

Ohne groß in Versuchung zu sein, Blogger.com zu verteidigen, muss ich einen Teil der Unbill auf mich nehmen, da ich der Missverständlichkeit wegen die Überschrift heute geändert habe und nicht wusste, dass damit blogger auch den Permalink ändert. Was abgesehen davon natürlich auch kakke is.

Nee, nee, ich riskiere doch nich mein super Ranking in der Business-Blog-Liste nur durch einen Umzug :-) Ach menno, was glaubt ihr, wie oft ich schon darüber nachgedacht hab. Ich hab irgendwie einfach zu früh angefangen damals und zu unüberlegt...
Menotti - 20. Okt, 12:35

Ich sehe sie vor mir, diese dicke fette Headline:

Top-Blogger verzichtet auf Top-Ranking
Schlechte Haltungsnoten von blogger.com zwingen Haltungsturner zum Neubeginn / Blogosphäre atmet auf

Oder so ähnlich :))
40something - 21. Okt, 14:49

Wenn ich ein böser Mensch wäre, würde ich auf der Seite von Haltungsturner nachgucken, wo er sich grad aufhält. Um dann darüber zu räsonieren, dass an jener Stelle früher Journalisten zu arbeiten pflegten... ;-)

Stachanow - 21. Okt, 15:23

Lieber 40something, keine Bange, ich weiß das Berufsfeld des Haltungsturners einzuschätzen - und weiß auch, dass von dort für Edelfedern und Edeldenker wie Dich (und den ernsthaften Journalismus) aus keine Gefahr ausgeht. Er arbeitet für jemanden, bei dem man sich für 300 Euro 800 Google-Hits kaufen kann. Dafür gibt es einen Markt, das ist nicht wegzuleugnen. Manchmal führt einer der 800 Google-Hits auf eine Sexplattform. Und selbst wenn nicht - mit Journalismus hat das Ganze zum Glück nichts zu tun.
40something - 21. Okt, 16:17

Huch, Edelfeder und Edeldenker... Ich liebe Etiketten! ;-))
Stachanow - 21. Okt, 16:30

Offene Karten

Du weißt, ich mache PR und bin es gewohnt, Journalisten wieder einzufangen. Schmeicheln hilft immer!
Haltungsturner - 21. Okt, 16:48

Ey Jungs

würde mich überraschen, wenn da mal Journalisten gearbeitet hätten. :-)
Mal im Ernst: Etwas weniger flapsig formuliert, arbeite ich bei einem Logistiker für Presseinformationen (also für einen Teil der PR) als Verkäufer. Nix Schreiber. Das mache ich nur in meiner Freizeit oder nebenbei.
Wir sind übrigens kein SEO, sondern schicken Pressemitteilungen beispielsweise über Satellit zu Zeitungen und so was. Und haben keine Redaktion. Sondern liefern einen Teil des Rohstoffs aus, aus dem rund 70% der nachrichtlichen Inhalte deutscher Medien gemacht sind. Hihi.
40something - 21. Okt, 17:04

....
Sondern liefern einen Teil des Rohstoffs aus, aus dem rund 70% der nachrichtlichen Inhalte deutscher Medien gemacht sind. Hihi.

Genau det isset.

Früher saßen in dieser Villa am Mittelweg samt Anbau nur Journalisten, die den Rohstoff lieferten, aus dem 70 Prozent oder mehr der nachrichtlichen Inhalte deutscher Medien gemacht wurden.

Das hat diesem Standort - bei dem gerne die Vergangenheit als bayerische Gesandtschaft, weniger gerne die etwas jüngere Vergangenheit als Gestapo-Quartier angeführt wird - ein Renomee verschafft, das nunmehr konsequent genutzt wird, um die Logistik für so genannte Presseinformationen bereitzustellen.

Wäre ich ein böser Mensch, was ich bekanntermaßen nicht bin, würde ich ja glatt vermuten.... Ach was, um es mit den Worten eines offensichtlich naiven jungen Nachrichtenredakteurs zu sagen: Das kommt doch über den gleichen Ticker wie dpa. Und davon lebt dieses Geschäft.
Stachanow - 21. Okt, 17:14

Lieber Haltungsturner, the medium is the message! Deshalb kriegt auch der Kanal oder Logistiker mal was ab, wenn der Inhalt fragwürdig ist. Also alles in allem zweifle ich Ihre Rolle nicht an - vielmehr nutze ich Ihre Dienste der Nachrichtenverbreitung ja verhältnismäßig oft und gerne. Manchmal werde ich auch dazu genötigt, Quatsch zu transportieren. Aber das ist eine andere Sache. Und deshalb mache ich auch dieses Blog - als Ventil.
Haltungsturner - 21. Okt, 17:17

ja

davon lebt es zum Teil. Aber ich kann dich insofern beruhigen, als wir nicht in der Villa oder ihrem Anbau sitzen, sondern gegenüber. Und vielleicht auch damit, dass es uns schon recht erfolgreich gab, als die dpa-Gruppe bei uns als Gesellschafter einstieg. Und dass die Zeitungen unseren Dienst freiwillig haben wollen, weil sie ihn sonst nicht bekämen. und und und. :-)

Aber seis drum: Wenn du mal in der Nähe bist, komm gerne vorbei, dann zeig ich dir das alles (und stelle dir die anderen Blogger am Mittelweg vor). Aber nur, weil du kein böser Mensch bist.
Menotti - 21. Okt, 17:23

Ich hab ja mal irgendwo gelesen, dass in Deutschland im Schnitt etwa 6000 Presseinformationen pro Tag rausgegeben werden, ob mit oder ohne Logistiker, dessen Rolle sich damit wohl ein wenig relativiert, denke ich ...
40something - 21. Okt, 17:50

@Haltungsturner
In der Tat gab's euch schon vor dem dpa-Einstieg. Aber dass die Presseinformationen in zahlreichen Redaktionen im stetigen Strom der Tickermeldungen einlaufen, wurde sicherlich nie als Nachteil betrachtet. Und dass die Zeitungen gerne alles nehmen, was neudeutsch Content heisst, vor allem aber ihr redaktionelles Budget nicht belastet, ist auch kein Geheimnis...

Sorry, das soll jetzt kein PR-Bashing sein. Aber genau so wie ich in einer Zeitung eine saubere Trennung von redaktionellem Teil und Anzeigen erwarte, erwarte ich bei allem einlaufenden Material eine klare Kennzeichnung: Was ist ein journalistisches Produkt, was ist PR? Und da scheinen die Grenzen manchmal nicht ganz so trennscharf zu sein. Wer dafür die Verantwortung trägt, ist eine ganz andere Frage.
Stachanow - 21. Okt, 18:42

@Menotti: Gerade weil es am Tag abertausende Presseinfos gibt, ich denke übrigens, die von Dir angegebene Zahl ist weit untertreiben, braucht es dafür Logistik.

@alle: Die Medienlandschaft ist breit genug und differenziert genug für alles und jedes. Jedes Medium hat das Recht und die Freiheit, sich mit der direkten Übernahme von PR vor seinen Rezipienten und seinen Wettbewerbern zu blamieren. Ich glaube auch, dass die Rezipienten genügend Medienkompetenz besitzen und das Markieren des öffentlichen Raumes durch PR einzuschätzen wissen.

Meine Meinung: Jeder Journalist hat das Recht auf Dummheit und Faulheit und darf blöde PR abdrucken, egal, woher sie kommt. Aber jeder Journalist, der blöde PR in der Luft zerfetzt, ist mir als einem PR-Menschen mit MIndestanspruch an seine Arbeit höchst willkommen. Denn die mich finanzierenden Marketing-Leute wissen nur eines: Jeder schlechte Artikel wiegt zehn gute auf. Los, Journalisten, zerfetzt schlechte PR! Enttäuscht die Erwartungen des Marketing!

Wenn Ihr das macht, dann werden meine Auftraggeber nicht mehr von mir verlangen, Logo-gespickte Pressefotos zu verschicken. Dann höre ich nicht mehr Sätze wie "Aber Herr Stachanow, was hammse denn gegen das Bild, das ist schon 28-mal gedruckt worden."

Wenn Ihr das macht, dann brauche ich nicht mehr über "Revolutionäre Entwicklungen in der Wertsteigerung von Unternehmensprozessen" plappern, sondern kann wieder das machen, was ich gelernt habe - Informationen für Journalisten zu übersetzen.

Aber Ihr könnt ja weiter ots oder dpa abschreiben und Euch im einen Fall schlecht und im anderen auf der sicheren Seite, der des Qualitätsjournalismus fühlen.

Eins, zu guter Letzt: Böse Menschen sind wir alle nicht. Hoffe ich.

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