Verkehrserzieher
Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Mein Motorrad geht von Null auf Hundert in drei Sekunden. Sechskommazwei Sekunden später, freie Bahn vorausgesetzt, geht die Digitalanzeige des Tachos über die 200. Schluss ist bei 261. Ich fahr sie aus. Gerne und wann immer es geht.
Trotzdem: Wenn ich von meinem Heimatdorf in die Arbeit fahre, überhole ich nicht mal einen LKW. Bloß die Bauern auf ihren Traktoren sind wirklich zu langsam. Warum ich schleiche? Weil nach acht Kilometern die erste Ampel kommt. Und bis in die Stadt sechs weitere. Von den sieben Ampeln sind im Schnitt vier grün und drei rot. Wenn ich einen überhole, hat der mich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit an der nächsten roten Ampel wieder eingeholt. Selbst wenn ich eine Ampelschaltung schneller bin, spare ich auf die Gesamtstrecke maximal anderthalb Minuten. Ich habe fünf Jahre Zeit gehabt, das herauszufinden.
Andere haben das noch nicht kapiert. Beinahe jeden Tag werde ich von Kleinwagen überholt, am Steuer wildgeworden gestikulierende subalterne Sachbearbeiter auf dem Weg zu Siemens. Oder Vertriebler der Audi-A6-5er-BMW-Klasse, die mir zeigen, was sie so alles draufhaben auf dem Weg zum Lügen oder mit dem Beamer Lügen an die Wand werfen. Mit quietschenden Bremsen scheren sie vor mir und vor der nächsten roten Ampel wieder ein.
Auf meinem Weg zur Arbeit liegt jeden dritten Tag Glas auf der Straße. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Kreuze an meiner Strecke von zweien auf sieben. Alle diese Toten waren auf der Hatz nach anderthalb Minuten. Von den sieben Toten tut mir keiner Leid. Wirklich: nicht einer.
Trotzdem: Wenn ich von meinem Heimatdorf in die Arbeit fahre, überhole ich nicht mal einen LKW. Bloß die Bauern auf ihren Traktoren sind wirklich zu langsam. Warum ich schleiche? Weil nach acht Kilometern die erste Ampel kommt. Und bis in die Stadt sechs weitere. Von den sieben Ampeln sind im Schnitt vier grün und drei rot. Wenn ich einen überhole, hat der mich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit an der nächsten roten Ampel wieder eingeholt. Selbst wenn ich eine Ampelschaltung schneller bin, spare ich auf die Gesamtstrecke maximal anderthalb Minuten. Ich habe fünf Jahre Zeit gehabt, das herauszufinden.
Andere haben das noch nicht kapiert. Beinahe jeden Tag werde ich von Kleinwagen überholt, am Steuer wildgeworden gestikulierende subalterne Sachbearbeiter auf dem Weg zu Siemens. Oder Vertriebler der Audi-A6-5er-BMW-Klasse, die mir zeigen, was sie so alles draufhaben auf dem Weg zum Lügen oder mit dem Beamer Lügen an die Wand werfen. Mit quietschenden Bremsen scheren sie vor mir und vor der nächsten roten Ampel wieder ein.
Auf meinem Weg zur Arbeit liegt jeden dritten Tag Glas auf der Straße. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Kreuze an meiner Strecke von zweien auf sieben. Alle diese Toten waren auf der Hatz nach anderthalb Minuten. Von den sieben Toten tut mir keiner Leid. Wirklich: nicht einer.
Stachanow - 16. Mär, 08:04
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
pathologe - 16. Mär, 09:01
Abgeschlossenes Studium und Intelligenz
müssen eben nicht immer in einem kausalen Zusammenhang stehen.
Deswegen lebe ich noch!
Deswegen lebe ich noch!
safari - 20. Mär, 18:51
naja, man sollte nicht vergessen, dass manche vielleicht auch nur dem überholenden Audi-A6-5er-BMW auf ihrer spur nicht schnell genug ausweichen konnten.
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